Das stand an einem normalen Montag Morgen in unserem Intranet. Strange!
Was könnte einen Menschen dazu veranlassen, einen Kochtopf auf dem Kopf tragen zu wollen? In einem Moment unbegrenzbarer Empathie habe ich versucht, mich in den Kopf dieses Menschen hinein zu versetzen (und ich weiss nie ob man hinein zuversetzen oder hinein zu versetzen oder gar hineinzuversetzen schreibt).
Ein Erklärungsversuch:
Ich fühlte mich ein wenig wie in einem schlechten Sci-Fi-Film als ich heute Morgen den Bus betrat. Mit wenigen Ausnahmen trugen alle einen polierten Kochtopf als Kopfbedeckung. Die Ausnahmen trugen Löchersiebe oder Bratpfannen und starrten mich ebenso befremdend an wie der grössere Teil an Kochtopfträgern.
Ich seufzte, höre in der Ferne einen Hund bellen und liess mich auf den einzigen noch freien Sitz fallen – das tut man doch normalerweise wenn man sich wie in einem Film fühlt, oder?
Das Gefühl hielt weiter an als ich am Bahnhof aus dem Bus stieg, den ansonsten blauen Himmel mit UFOs übersät sah und mich wunderte wieso ich die einzige war, die diese wahrzunehmen schien.
Erneut bellte ein Hund in der Ferne.
Ok, das ganze hört sich jetzt vielleicht an als wäre es etwas weit hergeholt und vielleicht habt ihr ja recht – vielleicht war der Wein vom Vorabend schuld. Oder den Wunsch Ewan McGregor aus Star Wars mal im wahren Leben zu treffen. Vielleicht hätte ich die kleinen, weissen Pillen nicht einwerfen sollen, die mir angeboten wurden und sowieso: Wer sagt eigentlich, dass die Weltbevölkerung nicht schon lange mit Pfannen auf dem Kopf rumläuft, UFOs unseren Himmel durchziehen und ich heute Morgen einfach das erste Mal darauf geachtet habe?
Auf der Suche nach Antworten begab ich mich in die städtische Bibliothek. Zu hunderten strömten kleine grüne Männchen durch deren Hauptpforte, warfen mir vernichtende Blicke zu und raunten sich gegenseitig „Haste die gesehen?“ zu.
Der bellende Hund schien näher gekommen zu sein.
Ich durchforstete die Strassen nach einer anderen Spezies meiner Art, kämpfte verzweifelt gegen das Verlangen mir einen Kochtopf zu besorgen und machte mich zum Gespött der ganzen Stadt. Schliesslich fand ich Unterschlupf in einer kleinen Bar an deren Tür ein Plakat mit einem rot durchgestrichenen Kochtopf prangte.
Das Hundegebell dröhnte mir in den Ohren als der Labrador hinter der Theke mich aufforderte das Lokal zu verlassen – oder mir das Löcherbecken auf den Kopf zu setzen das er mir entgegenstreckte.
Ich tat wie mir geheissen, verliess die schummerige Bar und befand mich bald in der brütend heissen Sonne, die sich auf den unzählig auf Glanz polierten Kochtöpfen um mich herum spiegelte.
„Für dich, meine Tochter!“ vernahm ich eine Stimme zu meiner Rechten, die mir einen alten Kochtopf entgegenstreckte. Matt und antriebslos setzte ich ihn mir auf.
Ein Hund bellte, doch ich spürte, dass es diesmal mein innerer Hund war, der dies tat.
Ich rannte so schnell ich konnte zurück zum Bahnhof, stieg in einen fremdartig aussehenden Bus, setzte mich auf den letzten freien Platz und liess meinen Blick durch das Fahrzeug schweifen.
„Haste die gesehen?“ raunte ein älterer Herr seiner Begleitung zu und wandte sich angewidert ab.
Ich war die einzige die einen Kochtopf auf dem Kopf trug. Und wisst ihr was? Es fühle sich verdammt gut an!
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